Mittwoch, 12. August 2015

Besuch durch den Kamin




Seien Sie mal ehrlich, wie lange ist es her, dass Ihre Fantasie die Vorstellung zu liess, dass Besuch durch den Kamin kommen könnte ?
Es war sicher kurz vor der Weihnachtszeit und ist wahrscheinlich schon ein paar Jahre her.

Mich hat schon als Kind beschäftigt, wie der Besuch denn dann wohl aussieht, ich meine bei all dem Ruß auf dem Weg zum Ziel.
Und empfindliche Kleidung geht ja gar nicht, weder weiss noch rot, ich meine, das grenzt doch an Zauberei, wenn da einer in rot weiss unten sauber ankommt.

Für mich war relativ bald klar: das ist unglaubhaft,
dann doch lieber die Sache mit dem Christkind.
Das kann fliegen, ist blitzschnell und immer auf dem aktuellen Stand –
Zum Beispiel meiner Wunschliste.

Heute ist der 12. August, mitten im Sommer also.
Etwa 30 Grad, sonnig.

Erwähnte ich schon, dass mit zunehmender Wahrnehmungsschulung immer mehr und besser höre ?
Ich passe mich quasi unseren Hunden an….
Podencos und Galgos mit einer ausgeprägten Wahrnehmung und hochsensibel was Geräusche angeht.

Wir horchen gemeinsam auf. Es raschelt. Es kratzt.
Es macht Geräusche. 
Im Kamin. 
Mitten im Sommer.

Eine Maus ? Ein Siebenschläfer ?
Kaminrohr runter und Kaminrohr entlang.
Kleine, kratzende Füsschen finden irgendwie keinen Halt.
Maus scheidet aus, die kann das.

Und nun ?
Schornsteinfeger bemühen ?
Der zeigt wahrscheinlich wenig Verständnis für eine angedachte Tierrettung und tendiert zum Probeheizen.
Kommt ja gar nicht in Frage, wenn es keine Maus ist, kann es nicht weg.

Die Entscheidung wird uns kurze Zeit später abgenommen.
Nachdem wir alle gebannt den scharrenden Füßchen folgen, macht es ‚plopp‘ gefolgt von einer innerkaminlichen Staubwolke.

Jetzt sollten wir das Fenster aufmachen und nachschauen.
Ist es ein Siebenschläfer haben wir zweifellos anschliessend ein Problem, unter dem Sofa oder hinter dem Schrank.
Bei mehrern Jagdhunden, die seit Monaten keinen Jagderfolg mehr hatten, ist das eher keine gute Idee.

Vorsichtig das Sichtfenster öffnen, gaaaaanz vorsichtig und: keine Maus, kein  Siebenschläfer, sondern ein verdutzt dreinschauender Sperling !


Er sieht aus wie die Asche im Kamin. 
Sag ich doch, so ein Abenteuer geht nie und nimmer sauber vonstatten.

Hunde ausgesperrt (unter Protest), Sperling gefangen und wieder in die Freiheit entlassen.
Der hat was zu erzählen heute Abend.

Viel Glück kleiner Vogel und nächstes Mal besser aufpassen, wohin das Abenteuer führt.