Freitag, 11. März 2016

Mediation bei Streit ums Tier.



Gastbeitrag von Christina Wenz

Immer Ärger um das liebe Vieh –

Wie Mediation bei Streit rund ums Tier helfen kann


Inga Bremer hat ihren Hannoveraner Wallach namens Lord seit Jahren in einem Pensionsstall in ihrer Nachbarschaft untergebracht.
Mit der Stallbesitzerin, Bettina A., versteht sie sich sehr gut und im Laufe der Zeit hat sich aus der Bekanntschaft eine Freundschaft entwickelt.
Inga unterstützt Bettina so gut sie kann und ist im Großen und Ganzen zufrieden mit der Unterbringung. 


Einige Punkte wie die Hygiene in den Boxen oder die zu kurzen Weidezeiten stören sie allerdings. Darauf angesprochen, lässt die Freundin allerdings nicht mit sich reden, sondern regiert beleidigt und geht jedem weiteren Gespräch aus dem Weg. Inga wird immer frustrierter.

Irgendwann macht sie sich bei anderen Stallbesitzern Luft und klagt Ihr Leid.
Hierbei stellt sie fest, dass die Anderen das gleiche Problem haben, viele Einsteller denken sogar schon über einen Stallwechsel nach, was für Bettina aus finanzieller Sicht eine Katastrophe wäre.
Jegliche Versuche, mit Bettina vernünftig zu sprechen sind bisher jedoch kläglich gescheitert, da sich die Stallbesitzerin sehr schnell persönlich angegriffen fühlt.
 

Als der Frust und die Anspannung für alle Beteiligten kaum noch auszuhalten sind, schlägt Inga Bettina vor, einen Mediator hinzuzuziehen. 

Zunächst ist Bettina der Idee gegenüber abgeneigt und sträubt sich dagegen. Als sie jedoch erfährt, dass sich einige Pferdebesitzer schon nach einem neuen Stall umsehen, wird ihr klar, dass sie handeln muss. Sie erklärt sich also zögerlich damit einverstanden, eine Mediation auszuprobieren.

In der ersten Sitzung bei der Mediatorin erfahren Inga, Bettina und die anderen acht Einsteller zunächst, was Mediation ist – ein Verfahren, dass ihnen dabei hilft, eine friedliche Lösung zu finden.
Hierbei schlägt der Mediator keine Lösung vor, stattdessen hilft er den Beteiligten, eine eigene Lösung zu finden, die optimal zu ihnen und der Situation passt – und dabei das Wohl der Tiere berücksichtigt.
 

In insgesamt drei Sitzungen hilft der Mediator Inga, Bettina und den übrigen Beteiligten dabei, herauszufinden, was ihnen in der Situation besonders wichtig ist, was ihre Bedürfnisse sind. 


Bei den Einstellern ist zum Großteil der Wunsch die Pferde möglichst artgerecht und gesundheitsfördernd zu halten, sehr groß.  Bettina leuchtet das schon ein, sie will für die Pferde ja auch nur das Beste. Es stellt sich allerdings heraus, dass Bettina das Pensum im Stall sehr an ihr Limit bringt und dass sie teilweise überfordert und auch durch die ständige Kritik der Einsteller nervlich am Ende ist. Als die Einsteller hiervon erfahren, sind sie überrascht und erschüttert. Monatelang haben sie ihrem Ärger Luft gemacht, sobald sie die Stallbesitzerin nur sahen. Wie es ihr dabei geht, haben dabei die Wenigsten bedacht, müssen sie zugeben.
Bettina ist überrascht und erfreut, als sie hört, dass die meisten Pferdebesitzer bereit wären, für die zusätzlichen Leistungen einen höheren monatlichen Preis zu zahlen.
 

So gelingt es, gemeinsam eine Lösung zu finden, bei der die Bedürfnisse aller Beteiligten umfassend berücksichtigt werden. 


Es wird vereinbart, dass sich die Stallmiete künftig um 50 Euro erhöht. Für diesen Betrag stellt Bettina zusätzlich stundenweise eine Kraft ein, die ihr zur Hand geht und sie bei der Arbeit unterstützt.
Weiter wird vereinbart, dass die Pferde künftig 12 Stunden am Tag im Sommer und 10 Stunden im Winter auf die Weide kommen.
Die Boxen werden einmal täglich gründlich ausgemistet. Zwei Damen, denen der neue Preis zu hoch ist, beschließen – ganz im Frieden – den Stall zu wechseln.
Auch wird besprochen, wie künftig der Umgang mit Kritik im Stall aussehen soll. Es wird eine monatliche Versammlung ins Leben gerufen, bei der ganz offen über die Situation im Stall gesprochen werden soll.  


Als sich die Mediatorin ein halbes Jahr später erkundigt, wie es den Beteiligten geht, erfährt sie, dass sich die Situation im Stall zur Freude aller sehr entspannt und verbessert hat. Die monatliche Sitzung wird gut genutzt und hat sich zu einem Austausch und geselligem Beisammensein entwickelt.
 

Hier konnte also statt Frust, Streit und Stallwechsel eine Lösung gefunden werden, die für alle Beteiligten einen Gewinn darstellt. Mediation kann -wie hier- in vielen Konflikten rund ums Tier Abhilfe schaffen. Wer sich also in einem „tierischen Streit" befindet, sollte immer auch eine Mediationsverfahren in Betracht ziehen.

 

Foto-Copyright: Ch.Wenz
Christina Wenz ist Mediatorin, Juristin und Konfliktcoach. Sie hilft Menschen dabei, in Streitsituationen friedliche Lösungen zu finden – Lösungen, bei denen man sich anschließend noch gut in die Augen schauen kann. Ihr besonderes Steckenpferd sind Mediation und Konfliktcoaching bei Streitfällen rund ums Tier. Nähere Informationen finden Sie unter www.mediation-wenz.de